Der Traum vom eigenen Tropfen Wein
Als mein Mann, Peter Pirmin Freitag, 2010 die berufsbegleitende Weiterbildung zum Techniker TS erfolgreich abgeschlossen hatte, stand er auf einmal vor einem Problem: Er hatte zu viel Freizeit - davon kann er heute als Papa nur noch träumen. Klar, er hatte das Mountainbiken, aber als jemand, der immer irgendein Projekt braucht, war dies nicht genug. Er suchte nach einem Ausgleich zu seinem Bürojob und einer Möglichkeit, mit seinen eigenen Händen etwas Neues auf dem Land zu erschaffen, auf dem einst seine (Ur-)Grosseltern Obstbäume gepflanzt hatten. Und so überzeugte er seinen Vater, Peter Freitag, Reben anzupflanzen. Das Ziel: Auf den dreissigsten Geburtstag mit dem ersten eigenen Wein anzustossen.
Die Weinreise beginnt: Die Kultivierung der ersten Rebstöcke
Kurz darauf reisten Vater und Sohn motiviert und voller Hoffnung ins Zürcher Oberland, um an einer Weindegustation für Winzer die perfekte Rebsorte für ihr Herzensprojekt zu finden. Sie rochen, schmeckten und verkosteten diverse Weinsorten, verglichen fachkundig die Geruchs- und Geschmacksprofile und hörten sich interessiert Vorträge zum Weinbau in der Schweiz an. Nach langer Recherche und noch intensiveren Degustationen fiel die Entscheidung auf die Rebsorten Pinot Noir (Blauburgunder) und Gamaret. Der Pinot Noir zählt aufgrund seiner Eleganz, Frische und Fruchtigkeit zu den beliebtesten Weinsorten der Schweizerinnen und Schweizer. Eine Assemblage mit Gamaret verleiht dem Wein noch mehr Körper und Würze, was ihn fülliger und lagerfähiger macht.
Als profunde Vorbereitung auf die eigenen Reben belegte das Vater-Sohn-Gespann einen Rebbaukurs in Salez, der ihnen verteilt über ein ganzes Jahr die einzelnen Arbeitsschritte des Weinbaus vermittelte. Parallel dazu erwarben sie die ersten Reben und pflanzten sie in Töpfen. Für eine einfachere Bewirtschaftung der Jungpflanzen verwandelte Peter im Handumdrehen einen Anhänger in ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem. Im Jahr 2013 konnten sie schliesslich die ersten Rebstöcke vor dem Rebhus pflanzen, und bereits zwei Jahre darauf wurde mit dem ersten eigenen Wein angestossen – ein Jahr vor dem dreissigsten Geburtstag meines Mannes. Für die endgültige Erfüllung seines Traums musste nur noch eine Hürde genommen werden: Die offizielle Eintragung der Parzelle im Rebbaukataster.
Der Traum droht zu platzen: Der Kampf gegen die Bürokratie
Möchte man in der Schweiz kommerziellen Weinbau betreiben, muss die Parzelle, auf der die Rebstöcke gepflanzt sind, zwingend im Rebbaukataster des jeweiligen Kantons eingetragen sein. Dies gilt selbst für kleine Hobby-Winzer wie uns. Und so stellte mein Schwiegervater pflichtbewusst im Jahr 2017, als damaliger Besitzer des Landes, ein entsprechendes Gesuch beim Landwirtschaftsamt des Kantons Thurgau. Die Antwort war niederschmetternd. Das Urteil lautete „abgelehnt", mit der Begründung, die Parzelle liege über der maximalen Höhenlage von 550 Meter über Meer und die Hangneigung sei zu gering (geringer als 15%). Dass die restlichen Kriterien vollends erfüllt beziehungsweise übertroffen waren, war für das Urteil irrelevant.
Nach dem Ausstoss von ein paar bukettreichen Kraftworten und einem zünftigen Schluck Eigenbrand ging mein Mann in den strategischen Gegenangriff über. Er überprüfte alle im Rebbaukataster eingetragenen Parzellen auf deren Erfüllung der Kriterien und fand zu seiner Freude einige, die ebenfalls nicht alle Bedingungen erfüllten. Des Weiteren durchstöberte er Archive nach Hinweisen, dass früher in unserer Gegend bereits Reben kultiviert wurden. Immerhin heisst unser Hof „Hinteres Rebhaus", die Parzelle, auf der die Reben gepflanzt wurden, „Hinders Räbhus" und das Quartier, in dem wir wohnen, „Rebrain". Da musste man doch etwas finden. Und tatsächlich: In einem Buch zur Geschichte von Hauptwil, das bis dahin bei uns nur als Staubfänger gedient hatte, wurde Peter Pirmin fündig. Darin ist dokumentiert, dass die Familie Gonzenbach, eine wohlhabende Familie, die im 19. Jahrhundert in Hauptwil gelebt hatte, praktisch neben unserer Parzelle einen grossen Rebhang bewirtschaftet hatte. Dieser musste leider 1888/1889 gerodet werden, da die Rebstöcke der Rebkrankheit Falscher Mehltau sowie der starken Verbreitung der Reblaus zum Opfer fielen.
Mit diesen Argumenten im Arsenal verfasste mein Mann das Schreiben für den Einspruch gegen das Urteil. Wie sich zeigte, ist es nicht die klügste Strategie, eine Behörde darauf hinzuweisen, dass sie bei anderen Gesuchstellern kulanter war. Da brachte auch der ganze historische Nachweis nichts. Nach der erneuten Niederlage fielen die Kraftworte meines Mannes noch etwas würziger aus, und es brauchte zwei, drei Gläschen Eigenbrand, um die Nerven wieder zu beruhigen.
Ende gut, alles gut: Wenn sich Hartnäckigkeit auszahlt
Trotz grosser Enttäuschung nahm das Vater-Sohn-Duo weiterhin an Weinfachtagungen teil. Ein Jahr nach dem ersten Gesuch erwähnten sie an einer dieser Tagungen beiläufig, dass Peter Pirmin den Hof seines Vaters übernehmen werde. Daraufhin wurden sie ermutigt, es nochmals mit einer Ausnahmebewilligung zu versuchen. Und so reichte mein Mann als neuer Eigentümer des Landes ein weiteres Gesuch ein. Die Freude und Erleichterung über das positive Urteil hätten grösser nicht sein können. Was schlussendlich genau ausschlaggebend für den Sinneswandel gewesen war, ist unklar und spielt für uns keine Rolle. Entscheidend ist, dass dieses Urteil den Grundstein für einen nachhaltigeren Neuanfang für unseren Rebberg gelegt hat. Zudem zeigt die Geschichte, dass es sich lohnt, für seine Träume zu kämpfen.
Ein Neuanfang für mehr Nachhaltigkeit: Die Pflanzung von Divico und Divona
Von der Pflanzung der ersten Rebstöcke bis zum offiziellen Eintrag im Rebbaukataster vergingen sechs Jahre. Während dieser Zeit konnten die zwei Peter wertvolle Erfahrungen mit den Rebsorten Pinot Noir und Gamaret sammeln. Das Fazit war leider ernüchternd. Sie mussten sich eingestehen, dass sie bei der Wahl der Rebsorten den Fokus zu stark auf die Geschmackskomponente gelegt und die topografischen Bedingungen vernachlässigt hatten. Dies führte dazu, dass die Rebstöcke jährlich bis zu 16 Mal mit chemischen Mitteln gegen Rebkrankheiten behandelt werden mussten. Dies war nicht nur zeit- und kostenintensiv, sondern stand auch im Widerspruch zu unseren Werten einer nachhaltigen Landwirtschaft. So startete die Schatzsuche für den perfekten Nachfolger. Die neue Rebsorte musste diesmal gezielt auf die spezifischen topografischen Bedingungen unseres Terroirs abgestimmt sein, und gleichzeitig wollten wir geschmacklich und ökologisch keine Kompromisse eingehen.
Durch Weinfachzeitschriften stiessen wir schliesslich auf Divico, die erste rote pilzresistente Rebsorte der Schweiz. Die önologischen Eigenschaften passten genau zu den klimatischen Bedingungen im Thurgau. Ob die Rebsorte von Agroscope auch geschmacklich überzeugen konnte, war ungewiss. Zwar hörten sich die Beschreibungen vielversprechend an, allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt erst ein paar handverlesene Winzerinnen und Winzer, die Divico bereits in die Flasche abgefüllt hatten. Peter Pirmin fand ein Weingut in der Westschweiz, das bereits die ersten Flaschen Divico in sehr limitierter Anzahl zum Verkauf anbot (nur durch persönliche Abholung und nur eine Flasche pro Person). So unternahmen mein Mann und ich einen Tagesausflug in die malerischen Rebberge der Westschweiz, um zwei Flaschen dieses flüssigen Schatzes zu ersteigern. Zu Hause angekommen, entkorkten wir die Flasche und waren überglücklich über die satte rote Farbe und das Bouquet, das sich im Weinglas entfaltete. Der Neuanfang mit Divico schien vielversprechend.
Unsere Erfahrungen mit Divico sind durchwegs positiv. Die Anzahl notwendiger Behandlungen gegen Rebkrankheiten konnte im Vergleich zu den alten Rebsorten um 80-90% reduziert werden - und es kommen ausschliesslich biologische Mittel zum Einsatz -, die Farbe des Weins ist ein kräftiges Dunkelrot, und geschmacklich entwickelt sich die Komplexität des Weins immer weiter. Als ich den Vorschlag in den Raum stellte, neben Rot- auch einen Weisswein zu produzieren, fiel die Entscheidung leicht. Wenn ein Weisswein, dann konnte es nur die Geschwister-Rebsorte von Divico sein: Divona. Auch hier kauften wir wieder die Katze im Sack, da diese Rebsorte aufgrund ihrer Neuheit einfach erst auf sehr begrenzten Flächen angebaut wird. Die Flasche Divona, die wir von einem anderen Weingut degustieren konnten, hat uns aber vollends überzeugt. Wir sind gespannt und hoffnungsvoll auf unseren ersten Jahrgang im 2026. Der diesjährige destillierte Eigenbrand aus den ersten Divona-Trauben ist jedenfalls ein sehr guter Vorbote.
Der heutige Traum: Dolce Vita im Thurgau
Seitdem Peter Pirmin erstmals den Traum hatte, mit dem eigenen Wein auf seinen dreissigsten Geburtstag anzustossen, sind fünfzehn Jahre vergangen. Trotz bürokratischer Hürden und Eingeständnissen von Fehlentscheidungen hat er den Traum nie angezweifelt. Er blieb optimistisch und verfolgte sein Ziel hartnäckig. Heute träumt mein Mann von einer ausgiebigen Gravelbike-Tour, dem Pizzabacken in seinem Holzbackofen im Remise und natürlich dem geselligen Beisammensein mit Familie und Freunden bei einem guten Glas Wein – vorzugsweise aus Eigenproduktion.
Verwirkliche deinen eigenen Traum: Limitierte Rebstock-Patenschaften
Um diese Lebensfreude mit anderen Weinliebhabern zu teilen, bieten wir eine besondere Möglichkeit: Übernimm eine Patenschaft für eine unserer Divico- oder Divona-Rebstöcke! Mit einer Rebstock-Patenschaft erhältst du nicht nur deine eigene Flasche Wein aus “deinen” Trauben, sondern wirst Teil einer Geschichte, die von Leidenschaft, Durchhaltevermögen und Nachhaltigkeit erzählt. Die Anzahl der Patenschaften ist auf 120 Divico- und 60 Divona-Rebstöcke begrenzt – sichere dir dein Stück “Rebhus-Geschichte”, bevor alle vergeben sind. Wir freuen uns darauf, dich in unserer wachsenden Gemeinschaft von Weinliebhabern willkommen zu heissen!