Frühlingszeit gleich Rhabarberzeit – Warum die "Barbarenwurzel" unser Gartenherz höherschlagen lässt
Mit den ersten warmen Frühlingstagen erwacht im Rebhus eine Pflanze, die uns besonders Freude bereitet: unser Rhabarber. Wusstest du, dass Rhabarber so viel wie "Barbarenwurzel" bedeutet und botanisch gesehen gar kein Obst, sondern Stielgemüse ist? Das mag überraschen, wenn man bedenkt, dass er hierzulande hauptsächlich in Kuchen, Konfitüren und anderen Süssspeisen verwendet wird – aber genau diese Vielseitigkeit macht ihn für uns so wertvoll.
Vor ein paar Jahren haben wir unseren Rhabarber im Gartenbeet gepflanzt, und seither ist er zu einem der dankbarsten Bewohner unseres Rebhus-Gartens geworden. Er braucht relativ wenig Pflege, ist bereits im Frühling vor den Sommerfrüchten reif und steckt voller wertvoller Vitamine und Mineralstoffe. Als Dauerkultur ist er ausserdem sehr langlebig und beschert uns circa zehn Jahre lang eine zuverlässige Ernte.
Kleiner Tipp für Balkon-Gärtner: Rhabarber gedeiht auch wunderbar in einem grossen Topf auf dem Balkon.
Wichtige Fakten für Rhabarber-Einsteiger
Bevor ich zu den Rezepten komme, hier die wichtigsten Eckdaten für alle, die sich auch an das "Barbarengemüse" heranwagen möchten:
Saison: April/Mai bis spätestens 24. Juni (Johannistag). Danach steigt der Oxalsäuregehalt in den Stängeln an – ein natürlicher Schutz der Pflanze, der uns signalisiert: Jetzt ist Pause.
Ernten: Die Stängel werden ganz nah am Ansatz herausgedreht, nicht abgeschnitten. Schnittstellen machen die Pflanze anfällig für Krankheiten. Es sollten maximal die Hälfte bis zwei Drittel aller Stängel während einer Saison geerntet werden, damit die Staude für die kommende Saison genügend Kraft hat.
Lagern: Die Blätter mit einem Messer abschneiden und die Stängel in ein feuchtes Tuch wickeln. Im Gemüsefach des Kühlschranks halten sie sich etwa fünf bis sieben Tage.
Haltbar machen: Rhabarber waschen, schälen und in gleichmässige Stücke schneiden. Auf einem Blech im Gefrierschrank etwa zwei Stunden anfrieren (wichtig: die Stücke sollten nicht aneinander kleben), dann in Gefrierbeutel oder Dosen für den Tiefkühler umfüllen. So ist das Gemüse etwa zwölf Monate haltbar.
Verzehr: Am besten die Stängel schälen und kochen oder zum Backen verwenden, um den Oxalsäuregehalt zu reduzieren. Die Blätter sind aufgrund des hohen Oxalsäuregehalts giftig und gehören definitiv nicht auf den Teller.
Wichtiger Hinweis: In den ersten zwei bis drei Jahren nach der Pflanzung sollten noch keine Stängel geerntet werden – die Pflanze muss erst stark werden.
Unsere Rebhus-Rezepte: Von herzhaft bis süss
Rezeptvorschläge für Rhabarber gibt es wie Sand am Meer, aber hier kommen unsere ganz persönlichen Favoriten aus der Rebhus-Küche – alle familientauglich und beliebig abwandelbar.
Ofenrhabarber auf Burrata mit glasierten Zwiebeln, Nüssen und Frühlingskräutern
Ideal an einem warmen Frühlingstag als Einstimmung auf den Sommer oder als Teil einer Apéro-Platte.
Zutaten für 2-3 Personen:
Für den Ofenrhabarber:
2 Stangen Rhabarber
1 EL Honig oder Ahornsirup
1 EL Olivenöl
1 TL Balsamico oder Zitronensaft
Salz, Pfeffer
Für die glasierten Zwiebeln:
1 grosse rote Zwiebel
1 TL Butter oder Olivenöl
1 TL Zucker oder Honig
1 EL Balsamico
Zum Anrichten:
1–2 Kugeln Burrata (oder Büffelmozzarella)
2 EL geröstete Nüsse/Samen (Mandeln, Walnüsse, Kürbiskerne)
Frische Kräuter nach Wahl (Thymian, Minze oder Basilikum)
Frisch gemahlener Pfeffer
Optional: etwas Zitronenabrieb oder Chiliflocken
Zubereitung:
Rhabarber backen: Ofen auf 180°C vorheizen. Rhabarber in 6–8 cm lange Stücke schneiden und auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen. Mit Honig, Olivenöl, Balsamico, Salz und Pfeffer marinieren. Etwa 30 Minuten backen, bis der Rhabarber weich, aber noch in Form ist. Achtung: Die Backzeit variiert je nach Grösse und Dicke der Stängel.
Zwiebeln glasieren: Zwiebel in feine Streifen schneiden. In einer Pfanne mit Butter oder Öl etwa 5 Minuten glasig dünsten. Zucker/Honig dazugeben, leicht karamellisieren lassen. Mit Balsamico ablöschen und einkochen, bis die Zwiebeln weich und dunkel sind.
Nüsse rösten: Nüsse grob hacken und in einer kleinen Pfanne ohne Öl rösten, bis sie duften. Leicht salzen, optional mit etwas Honig glasieren.
Anrichten: Burrata auf einem flachen Teller platzieren, Ofenrhabarber darum anrichten, glasierte Zwiebeln darüber verteilen, mit Nüssen bestreuen und frische Kräuter darübergeben.
Dazu passt eine Scheibe knuspriges Sauerteig- oder Fladenbrot – die Brotscheiben können übrigens zusammen mit dem Rhabarber im Ofen geröstet werden.
Rhabarber-Limetten-Sirup
Unsere Vierjährige schwört, dass man mit diesem Sirup besser einschlafen kann. Ob das wissenschaftlich belegt ist, bezweifle ich – aber lecker und erfrischend ist er definitiv.
Praktischer Nebeneffekt: Bei diesem Rezept entstehen etwa 600 g Rhabarber-Mus, das sich wunderbar zu Kompott weiterverarbeiten, für einen Rhabarber-Crumble verwenden oder einfach ins Müsli geben lässt.
Zutaten (ergibt ca. 700-800 ml Sirup):
800 g Rhabarber (gewaschen, geschält und grob geschnitten)
500 ml Wasser
300–400 g Zucker (je nach gewünschter Süsse)
Saft von 1 Limette plus etwas Limettenabrieb
Optional: 1 Handvoll frische Minzblätter (am besten Pfefferminze)
Optional: ½ TL Vanilleextrakt
Zubereitung:
Rhabarber mit Wasser in einer grossen Pfanne aufkochen, dann etwa 20 Minuten leise köcheln lassen, bis er völlig zerfallen ist.
Die Masse durch ein feines Sieb abgiessen – nicht pressen, sonst wird der Sirup trüb.
Den Saft zurück in die Pfanne geben, Zucker, Limettensaft, Abrieb und eventuell Vanille hinzufügen. Aufkochen und 5–10 Minuten köcheln lassen, bis der Sirup leicht eindickt.
Wer mag, legt jetzt die Minze für 5 Minuten in den heissen Sirup und fischt sie danach wieder heraus.
Den heissen Sirup in saubere, sterilisierte Flaschen abfüllen und sofort verschliessen.
Serviervorschlag:
Mit kaltem Mineralwasser (mit oder ohne Kohlensäure)
Mit Prosecco und Erdbeeren als Sommer-Apéritif
Mit Wasser und gefrorenen Beerenwürfeln als Kinderparty-Drink
Über Glacé oder Joghurt als Dessert-Topping
Rhabarber-Erdbeer-Kokos-Glacé
Unsere Tochter würde sich am liebsten nur von Glacé ernähren. Ihre grosse Liebe für diese süsse Leckerei entdeckte sie, als sie mit 16 Monaten im Italienurlaub ihrer völlig übermüdeten Mama das Glacé aus der Hand "riss" und es nach dem ersten Bissen mit Leib und Seele verteidigte.
Zutaten (für ca. 6-8 Stängelglacé-Formen):
200 g Rhabarber (geschält, in Stücke geschnitten)
150 g Erdbeeren (frisch oder aufgetaut)
200 g Kokosjoghurt, natur
50 ml Rahm (für vegane Variante: mehr Kokosjoghurt oder vegane Rahmalternative)
2–3 EL Ahornsirup oder Agavendicksaft
1 TL Vanilleextrakt
1 EL Mandelmus (optional, für extra Cremigkeit)
1–2 EL feine Kokosraspeln (optional)
Zubereitung:
Rhabarber mit 2 EL Wasser und dem Ahornsirup oder Agavendicksaft etwa 10 Minuten weich köcheln. Etwas abkühlen lassen.
Rhabarber, Erdbeeren, Joghurt, Rahm, Vanilleextrakt und ggf. Mandelmus in einen Mixer geben und fein pürieren.
Kokosraspeln kurz in einer Pfanne ohne Fett rösten, bis sie goldbraun sind, dann abkühlen lassen und unter die Masse rühren.
Abschmecken und in Glacé-Formen füllen, Stiele einsetzen und mindestens 6 Stunden (am besten über Nacht) einfrieren.
Wohin mit den Blättern? Ein nachhaltiger Tipp
Obwohl die Rhabarber-Blätter nicht für den Verzehr geeignet sind, können sie im Garten sinnvoll eingesetzt werden. Aus ihnen lässt sich ein natürlicher Dünger oder ein Spritzmittel zur Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten herstellen – ganz ohne Chemie.
Anleitung:
Blätter etwas zerkleinern und in einer Pfanne mit Wasser aufkochen
Den Sud etwa 30 Minuten ziehen lassen
Blätter aus dem Sud entfernen, ausdrücken und kompostieren
Je konzentrierter der Sud, desto stärker die Wirkung: Für Dünger reicht ein Verhältnis von 1:5 (zum Beispiel 100 g Blätter mit 500 ml Wasser aufkochen), für die Krankheitsbekämpfung sollte es 1:1 sein.
Anwendung:
Dünger: Sud in eine Giesskanne geben und die Pflanzen giessen.
Spritzmittel: Sud in eine Spritzflasche füllen und die befallenen Pflanzen besprühen.
Der Kreislauf des Rhabarbers
Was uns am Rhabarber besonders gefällt, ist seine Unkompliziertheit und Vielseitigkeit. Zwischen April und Juni beschenkt er uns mit seinen säuerlich-frischen Stängeln, dann zieht er sich zurück und sammelt Kraft für das nächste Jahr. Diese natürliche Rhythmik passt perfekt zu unserem Versuch, bewusster und saisonaler zu leben. Wenn der Rhabarber Pause macht, ist es Zeit für andere Schätze aus dem Garten – und wir können uns schon wieder auf das nächste Frühjahr freuen, wenn die ersten roten und grünen Stängel wieder aus der Erde spriessen.
Wie sieht es bei dir aus? Hast du schon einmal Rhabarber im Garten oder auf dem Balkon angebaut? Oder kennst du andere kreative Verwendungsmöglichkeiten für die "Barbarenwurzel"? Wir freuen uns auf deine Erfahrungen und Rezeptideen in den Kommentaren!
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