Vom Garten auf den Tisch: Fünf kreative Tipps, die letzten Äpfel der Vorsaison zu retten

Äpfel sind nicht nur integraler Bestandteil der Thurgauer Identität, sondern liegen auch unserer Familie besonders am Herzen. Bereits die erste Generation pflanzte im Rebhus Apfelbäume an und lebte von deren Ertrag. Auch heute zieren die Apfelbäume noch unseren Garten, wenn auch nicht mehr in der gleichen Anzahl. 

Aktuell wachsen bei uns die Sorten Jonagold, Golden, Diva, Gala und Spartan. Nach der Ernte im Herbst verarbeitet mein Schwiegervater den Grossteil der Äpfel zu Most – ein Genuss, den unsere Tochter liebt, wenn sie ihn frisch aus der Mostpresse trinken darf. Die restlichen Äpfel lagern wir in grossen Obstkisten im dunklen Keller, wo sie manchmal in Vergessenheit geraten.

So geschah es auch dieses Jahr: Die letzten übriggebliebenen Äpfel aus dem Vorjahr haben zwar ihre knackigsten Tage definitiv hinter sich, aber wir diskriminieren niemanden aufgrund seines Alters – und so war es höchste Zeit für eine Apfel-Rettungsaktion.

Geht es dir ähnlich? Hast du noch schrumpelnde Äpfel zu Hause oder suchst du Inspiration für die kreative Verwertung von Äpfeln aus dem Supermarkt? Dann findest du hier fünf praxiserprobte Tipps aus unserem Rebhus.

Tipp 1: Arenenberger Apfeltorte - ein Klassiker aus dem Thurgau

Festliche Arenenberger Apfeltorte mit leicht schrumpligen Äpfeln der Vorsaison.

Das Rezept für die Arenenberger Apfeltorte habe ich beim Durchstöbern des Kochbuchs „Helvetia Vegetaria" von Carlo Bernasconi und Juliette Chrétien entdeckt. Das Originalrezept stammt vom Verband Thurgauer Landwirtschaft. Da ich es online nicht ausfindig machen konnte und die Urheberrechte respektieren möchte, verzichte ich an dieser Stelle auf den Abdruck des vollständigen Rezepts.

Die Torte erinnert an eine Tarte Tatin mit Äpfeln, die mit einem zitronigen Rührteig bedeckt wird – dadurch ist sie deutlich deftiger als ihr französisches Pendant. Sie ist angenehm wenig süss und eignet sich hervorragend, um bis zu 800g schrumplig gewordene Äpfel zu verwerten.

Was diese Torte besonders macht, ist nicht nur ihr Geschmack, sondern auch ihre Geschichte: Das Schloss Arenenberg, einst Wohnsitz von Napoleon III., beherbergt heute ein landwirtschaftliches Bildungszentrum, das sich unter anderem der Bewahrung traditioneller Obstsorten widmet – der ideale Rezeptschatz für unser Rebhus.

Für unsere Familienversion habe ich auf die im Originalrezept enthaltene Zugabe von Kirschschnaps verzichtet, um die Torte kinderfreundlich zu gestalten. Die erwachsenen Geniesser durften dafür ein Gläschen unseres Divona-Traubenbrands kosten, den wir aus der ersten Ernte unserer Divona-Trauben destillieren liessen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Torte später auch hervorragend mit unserem Divona-Wein harmonieren wird.

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Tipp 2: Apfelringe trocknen - ein Nachmittags-Projekt mit Kindern

Äpfel der Vorsaison in handgedrechselter Schale.

Ich erinnere mich noch lebhaft, wie wir als Kinder eine Schnur durch das Zimmer meiner Schwester spannten, um darauf Apfelringe zu trocknen. Da mir das so viel Freude bereitet hatte, habe ich das Projekt nun mit unserer Tochter wiederholt – ein ideales Vorhaben für kleine Naschkatzen ohne schlechtes Gewissen.

Wir haben sowohl die Ofen- als auch die Schnur-Variante ausprobiert, wobei letztere aus meiner Sicht das bessere Ergebnis lieferte und definitiv umweltschonender ist. Bei beiden Methoden kannst du problemlos leicht schrumpelige Äpfel verwerten – nur mehlige Sorten sind für diesen Zweck ungeeignet.

Variante a) Apfelringe im Ofen trocknen

  1. Äpfel waschen und mit einem Apfelausstecher das Kerngehäuse entfernen

  2. Die Äpfel in dünne Scheiben schneiden – je dünner, desto schneller der Trocknungsvorgang

  3. Damit die Äpfel nicht braun werden, die Ringe kurz in eine Schüssel mit Wasser und Zitronensaft tauchen

  4. Apfelringe abtrocknen, auf einem Backblech mit Backpapier auslegen und nach Belieben mit Zimt oder anderen Gewürzen bestäuben

  5. Äpfel im Backofen bei maximal 60 Grad Celsius für 3-4 Stunden trocknen, damit möglichst viele Nährstoffe erhalten bleiben. Wichtig: Mit einer Holzkelle oder einem ähnlichen Gegenstand die Ofentür einen Spalt offen halten, damit der Dampf entweichen kann

Wir haben ein Blech mit naturbelassenen Apfelringen und eines mit zimtbestäubten Ringen zubereitet. Die Äpfel blieben etwa 3,5 Stunden im Backofen. Da wir einen sonnigen Tag ausgewählt hatten, konnten wir für den Trocknungsprozess viel Sonnenenergie nutzen. Unserer Tochter schmeckten besonders die zimtigen Varianten – sie waren im Nu aufgefuttert. Die übrigen Apfelringe haben wir in einer luftdichten Dose aufbewahrt.

Variante b) Apfelringe an der Schnur trocknen lassen

  1. Schritte 1-3 wie oben beschrieben

  2. Die abgetrockneten Apfelringe auf eine Schnur aufziehen

  3. Die Schnur an einem warmen, trockenen und luftigen Ort aufhängen

  4. Je nach Luftfeuchtigkeit und Temperatur dauert der Trocknungsprozess 2-5 Tage

Wir wählten ein sonniges Fenster für unsere Apfelschnur, wodurch die Ringe bereits nach 2 Tagen fertig waren. Das Ergebnis war etwas knuspriger als bei der Ofen-Variante – und das ganz ohne zusätzlichen Stromverbrauch. Der einzige Nachteil: Man braucht einen Platz, an dem die Äpfel für einige Tage ungestört hängen können.

Beide Varianten waren ein voller Erfolg und haben uns viel Freude bereitet. Dieses Projekt werden wir bestimmt wiederholen. Es eignet sich perfekt, um Kinder an erste Küchentätigkeiten heranzuführen und ihnen spielerisch beizubringen, wie Lebensmittel haltbar gemacht werden können. Und nebenbei entsteht ein gesunder Snack, der bei uns nie lange hält.

Tipp 3: Gesichtsmaske für Apfelköniginnen

Äpfel können nicht nur von innen, sondern auch von aussen wirken. Die in ihnen enthaltenen Fruchtsäuren (vor allem Apfelsäure) haben einen sanften Peeling-Effekt, während die Antioxidantien der Haut helfen, strahlender auszusehen.

Du brauchst:

  • 1/2 Apfel (gerne auch einer mit kleinen Altersflecken)

  • 1 EL Honig

  • 1 EL Joghurt

So geht's:

  1. Den halben Apfel mit der Schale reiben (die Schale enthält viele wertvolle Wirkstoffe)

  2. Mit Honig und Joghurt zu einer cremigen Masse verrühren

  3. Die Mischung auf das gereinigte Gesicht auftragen (Augenpartie aussparen)

  4. 10-15 Minuten einwirken lassen

  5. Mit lauwarmem Wasser abspülen

Diese Maske ist besonders wohltuend für trockene, müde Winterhaut, die sich nach einer Frühlingskur sehnt. Die Apfelsäure löst sanft abgestorbene Hautzellen, Honig spendet Feuchtigkeit und Joghurt beruhigt die Haut.

Aus eigener Erfahrung: Nach einem langen Tag mit Kind und Arbeit ist diese 15-Minuten-Auszeit mit selbstgemachter Gesichtsmaske ein kleiner Luxus, der ohne zusätzliche Kosten oder Chemie auskommt. Die Maske eignet sich übrigens auch hervorragend für kleine Apfel-Prinzessinnen, die Mama gerne nachahmen. Für noch mehr Entspannung darfst du dir dazu auch gerne ein Glas Divico gönnen :-).

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Tipp 4: Nüsslisalat mit Apfel - Gesundes Blitzrezept zwischen Winter und Frühling

Nüsslisalat mit Apfel der Vorsaison und Nüssen. Angerichtet auf einem handgedrechselten Teller von Peter Freitag.

Wenn es schnell gehen muss und der Tag wieder einmal zu wenig Stunden hat: Dieses Rezept verbindet die letzten Winteräpfel mit dem ersten Frühlingsgemüse zu einem erfrischenden Salat, der in unter 5 Minuten zubereitet ist.

So einfach geht's:

  1. Nüsslisalat gründlich waschen, damit keine Erde mehr anhaftet

  2. Einen grossen Apfel waschen und in Scheiben oder kleine Würfel schneiden

  3. Mit deiner Lieblings-Salatsauce anrichten

  4. Nach Belieben mit Nüssen oder Kernen verfeinern (ein hervorragendes Brain-Food)

Ich verzichte an dieser Stelle auf ein konkretes Salatsossen-Rezept. Obwohl ich bereits als Kind meiner Mutter beim Zubereiten der Salatsauce helfen durfte, fällt es mir bis heute schwer, die perfekte Balance zwischen süss, sauer und salzig zu finden. Du kannst das bestimmt besser – und falls nicht, findest du im Internet zahlreiche Inspirationen.

Tipp 5: Wenn die Rettung (fast) zu spät kommt: Kompost, Tierfutter oder Apfelessig

Selbst Äpfel, die bereits deutliche Faulstellen aufweisen (aber keinen Schimmel haben!) und nicht mehr geniessbar sind, haben ihren Platz im ökologischen Kreislauf. Hier sind drei Möglichkeiten, wie auch diese Äpfel noch sinnvoll genutzt werden können:

Als Kompost-Beschleuniger

Äpfel, besonders wenn sie bereits zu gären beginnen, sind wahre Turbo-Starter für den Kompost. Die enthaltenen Zucker und Säuren fördern die mikrobielle Aktivität und beschleunigen den Verrottungsprozess erheblich.

So machst du es richtig:

  1. Verfaulte Äpfel bei Bedarf zerkleinern, um die Zersetzung zu beschleunigen

  2. Nicht alle Äpfel auf einen Haufen werfen, sondern mit trockenem Material wie Laub, dünnen Ästen oder Häckselgut mischen – ideal sind Schichten aus Obstabfällen und trockenem Material

  3. Die Apfelreste in die Mitte des Komposts einarbeiten, wo die höchsten Temperaturen herrschen

  4. Den Kompost mindestens einmal pro Jahr umsetzen

Wichtiger Hinweis: Äpfel mit Schimmelbefall sollten nicht direkt auf dem Boden von Nutzbeeten entsorgt werden. Die Schimmelpilzsporen könnten andere Pflanzen befallen. Solche Äpfel gehören in die Biotonne oder, falls vorhanden, in einen gut funktionierenden Kompost, dessen hohe Temperaturen die Schimmelpilze abtöten.


Als Futter für Wildtiere

Leicht angefaulte oder weiche Äpfel, die für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet sind, bieten hungrigen Wildtieren gerade im Frühjahr eine wertvolle Nahrungsquelle, wenn das natürliche Angebot noch begrenzt ist.

Unsere Tipps:

  • Äpfel ohne Schimmelbefall halbieren und mit der Schnittfläche nach oben an einem ruhigen Ort im Garten auslegen oder auch ganz belassen

  • Für die Futterstelle einen Platz nicht zu nah am Haus wählen, um keine Schädlinge anzulocken

  • Besonders Insekten, Amseln, Drosseln und Igel freuen sich über diese Leckerbissen

Wir platzieren die Äpfel unter unseren Sträuchern, wo die Tiere geschützt sind und ungestört fressen können. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass Kinder bei dieser Aufgabe begeistert mithelfen – es ist eine wunderbare Gelegenheit, ihnen den natürlichen Kreislauf näherzubringen und sie dafür zu sensibilisieren, auch für andere Lebewesen zu sorgen.


Als Basis für selbstgemachten Apfelessig

Eine besonders vielseitige Verwertungsmöglichkeit für Apfelreste und leicht angefaulte Äpfel ist die Herstellung von eigenem Apfelessig. Dafür eignen sich besonders die süssen, weich gewordenen Exemplare hervorragend.

Einfaches Rezept für Apfelessig:

  1. Äpfel waschen und in grobe Stücke schneiden – das Kerngehäuse kann ebenfalls verwertet werden. Wir haben auch die übriggebliebenen Kerngehäuse vom Apfelring-Trocknen verwendet

  2. Ein grosses Einmachglas sterilisieren

  3. Die Apfelstücke ins sterile Glas geben und mit Wasser bedecken

  4. Pro Liter Wasser 1-2 EL Rohrzucker oder Honig hinzufügen

  5. Mit einem Tuch abdecken (kein Schraubdeckel!) und an einem warmen Ort 2-3 Wochen stehen lassen. Dabei täglich umrühren, um Schimmelbildung zu vermeiden.

  6. Wenn sich Schaum bildet und es säuerlich riecht, die Flüssigkeit durch ein sauberes Tuch absieben und in ein sterilisiertes Gefäss füllen. Das Gefäss wieder mit einem sauberen Tuch und Gummiband abdecken.

  7. Die Flüssigkeit weitere 4-6 Wochen stehen lassen, bis sich ein würziger Essiggeruch entwickelt hat.

  8. Flüssigkeit durch ein sauberes Tuch absieben, in saubere Flaschen füllen und fest verschliessen.

Der selbstgemachte Apfelessig enthält wertvolle Enzyme und kann für Salatdressings, als Reinigungsmittel oder sogar als Haarspülung verwendet werden – ein echtes Multitalent aus "geretteten" Äpfeln!

Unser erster Versuch landete leider auf dem Kompost, da ich vergessen hatte, ihn täglich umzurühren. Daraus hab ich gelernt, mir einen täglichen Reminder im Handy zu setzen. Ein weiteres Glas Essig gärt aktuell bei uns im dunklen Keller vor sich hin. Ich bin gespannt, ob er kulinarisch überzeugen wird oder doch eher als Haushaltshelfer zum Einsatz kommt. In jedem Fall ist es ein spannendes Experiment, das die Wartezeit wert ist.

Der Kreislauf schliesst sich

Von der festlichen Torte bis zum Essigansatz – wir bemühen uns, für jeden unserer Äpfel eine sinnvolle Verwendung zu finden. Was uns besonders wichtig ist: Die Wertschätzung für die Gaben des Gartens endet nicht, wenn die Früchte nicht mehr frisch und knackig sind.

Diese Haltung versuchen wir auch unserem Kind zu vermitteln. Wenn wir gemeinsam Apfelringe aufziehen oder beobachten, wie sich der Kompost in fruchtbare Erde verwandelt, lernt es ganz nebenbei etwas über natürliche Kreisläufe und den respektvollen Umgang mit Lebensmitteln.

Übrigens: Die neue Apfelsaison kündigt sich bereits an. Die Blüten an unseren Bäumen versprechen die nächste Ernte. So schliesst sich der Kreis – vom letzten Winterapfel zum ersten Blütenbesuch der Bienen, von der Ernte zur Lagerung, vom alten zum neuen Jahr.

Wie sieht es bei dir aus? Hast du noch Äpfel der Vorsaison zu verarbeiten oder eigene Verwertungsideen, die du teilen möchtest? Wir freuen uns auf deine Kommentare und Erfahrungen!


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Ein Blick hinter die Drechselbank mit Peter Freitag

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