Ein Blick hinter die Drechselbank mit Peter Freitag
Wenn ich meinen Schwiegervater Peter Freitag beschreiben müsste, kommen mir folgende Adjektive in den Sinn: äusserst akkurat, ehrlich, aufrichtig, pünktlich, verlässlich, selbstlos, bescheiden, pflichtbewusst, herzlich, fit (mit gut siebzig schlägt er immer noch Zaunpfähle mit eigener Muskelkraft ein – chapeau!), gutmütig, etwas wortkarg, aber mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen, traditionsbewusst und ein absoluter Familienmensch. Ok, letzteres ist kein Adjektiv, aber es zeichnet ein gutes Bild von dem Mann, den ich vor über zehn Jahren kennen und schätzen lernen durfte und der hinter all den handwerklichen Schätzen des Rebhus steckt.
Der Mann an der Drechselbank
Peter Freitag wuchs mit seinen sechs Geschwistern auf dem Hof auf, auf dem das heutige Rebhus steht. Als Zweitältester übernahm er früh Verantwortung, kümmerte sich um seine jüngeren Geschwister und half tatkräftig auf dem elterlichen Obstbetrieb mit. Seine Mutter Therese, eine äusserst humorvolle und lebenslustige Frau, machte mal mit Augenzwinkern die Bemerkung: „Ich hatte die Kinder schliesslich nicht nur zum Anschauen". Diese Arbeitsmoral steckte Peter später in seinen Beruf als Elektriker. Als seine Eltern den Betrieb im Jahr 1989 altersbedingt aufgeben mussten, kaufte er ihnen das Grundstück ab und führte zusammen mit seiner Frau Elsbeth vier Jahre lang den Obstbetrieb weiter. Die Zeiten waren herausfordernd, insbesondere als junge Familie. 1993 verpachteten sie den Grossteil des Landes an anwohnende Bauern und Peter kehrte zu seinem Beruf als Elektriker zurück.
Seit seinem wohlverdienten – wenn auch äusserst aktiven – Ruhestand hat Peter zahlreiche Projekte verwirklicht. Er sanierte das ehemalige Elternhaus (unser heutiges Rebhus) und die Remise mit seiner Drechselwerkstatt, pflanzte mit seinem Sohn Peter Pirmin unseren Rebberg mit den PiWi-Rebsorten und half bei der Neugestaltung des Landes mit Naturwiese, Sträuchern und Hochstamm-Obstbäumen.
Fast täglich ist er bei uns im Rebhus anzutreffen. Je nach Saison arbeitet er in den Reben, macht Most aus den eigenen Äpfeln, pflegt unseren Garten, liest Lindenblüten ab, springt seinem Enkelkind hinterher, repariert was kaputt gegangen ist oder setzt irgendeine Idee von meinem Mann um. Und als wäre das noch nicht genug, macht er bei Freunden und Familie Hausbesuche, wenn sie ein elektrisches Problem haben. Als „Bezahlung" freut er sich über einen feinen Kuchen. Mein Schwiegervater hat sehr sensible Geschmacksknospen, aber Süsses lehnt er nie ab.
Die wiederentdeckte Leidenschaft
Vor über vierzig Jahren kam Peter in den Besitz einer Metallwerkbank. Auf dieser fertigte er diverse Metall-Kunstwerke an, fühlte sich aber durch das starre Material schnell eingeschränkt. So begann er, auf der Metallwerkbank Holzgegenstände anzufertigen. Allerdings griff das Eichenholz aufgrund des hohen Säuregehalts das Metall der Werkbank an und Peter schaffte sich eine richtige Drechselwerkbank spezifisch für Holz an. Mit dieser begann er, Holzteller anzufertigen und drechselte sogar eine Art Fernbedienung für den Fernseher. Hierbei kombinierte er gekonnt sein Ingenieurwissen mit der Drechslerkunst. In den 80er Jahren, als Fernbedienungen noch Luxusgüter waren, war dies durchaus revolutionär. Wie das Leben manchmal so spielt, traten irgendwann andere Prioritäten in den Vordergrund und das Drechseln geriet in Vergessenheit. Fast zwanzig Jahre später flammt die Leidenschaft wieder auf, als mein Schwiegervater die Remise sanierte. Im oberen Stock des Gebäudes richtete er sich seine heutige Drechselwerkstatt ein.
Die ideale Ergänzung zum Weinbau
Das Drechseln bildet seither die perfekte saisonale Symbiose zum Weinbau. An den warmen, sonnigen Tagen hält er sich gerne in den Reben auf und an den kühleren, regnerischen Tagen zieht er sich in seine Drechselwerkstatt zurück. An solchen Tagen feuert er am Morgen früh den Holzofen in der Remise an, trinkt einen wärmenden Punsch und liest seine Zeitung – oft mit Dija, unserer „Hofkatze", auf dem Schoss. Danach begibt er sich in seine Werkstatt, um sich in Ruhe vom Holz inspirieren zu lassen.
Am liebsten verarbeitet er Apfelbaumholz vom eigenen Grundstück. Dieses Holz hat nicht nur eine wunderschöne Maserung, sondern widerspiegelt auch Peters tiefe Verwurzelung zum Rebhus. Das Holz für seine Drechselobjekte lässt er mindestens fünf bis sechs Jahre trocknen. In seinem Lager findet sich sogar Holz, das seit vier Jahrzehnten ruht – ein klares Zeichen für seine Geduld und seinen Respekt gegenüber dem Material.
Zeitlose Handwerkskunst für dein Zuhause
Die Drechselobjekte von Peter Freitag erzählen Geschichten – vom Apfelbaum, der jahrelang auf dem Rebhus-Grundstück stand, bis zur handgefertigten Schale auf deinem Tisch. Jedes Stück ist ein Unikat, das Traditionsbewusstsein und Nachhaltigkeit vereint.
Lass dich in unserem Online-Shop inspirieren. Hier findest du eine kleine, sorgfältig kuratierte Auswahl dieser handgefertigten Schätze. Von zeitlosen Schalen für deine Küche bis zu dekorativen Objekten, die jedem Raum eine warme, „hyggelige" Note verleihen – alle entstanden in der Werkstatt in der Remise mit Blick auf die Reben.
Wie die Weine des Rebhauses sind auch diese handwerklichen Schätze nur in limitierter Menge verfügbar – jedes mit seiner eigenen, einzigartigen Maserung und Geschichte.