Wieso es Divona gibt oder Weinwissen für Einsteiger

Unsere Tochter befindet sich seit gefühlt zehn Jahren in der Frage-Phase. Ok, zugegeben, sie ist erst vier, aber wenn man von morgens bis abends non-stop Fragen beantworten muss, die von „wieso liegt hier ein Stein und hier nicht" bis zu „wie ist der erste Mensch zur Welt gekommen" reichen, verliert man irgendwann das Zeitgefühl. Obwohl ich auf einen Grossteil ihrer Fragen keine Antwort weiss (klar ich könnte alles KI fragen, aber wer hat schon die Zeit), ermuntere ich sie, immer weiter Fragen zu stellen, um die Welt um sie herum besser zu verstehen.

Und genau diesen kindlichen Forschergeist habe ich mir bewahrt, als ich begann, unsere Entscheidung für Divona zu hinterfragen. Dabei bin ich immer weiter abgedriftet. Hier ein Auszug aus meinem Gedankenverlauf und das Resultat meiner Internetrecherche.

Divico und Divona haben die gleichen Eltern - wieso sind sie denn so unterschiedlich?

Divona ist das weisse Pendant zu Divico. Sie wurde ebenfalls vom Schweizer Forschungsinstitut Agroscope entwickelt und ist eine Kreuzung aus den Rebsorten Gamaret und Bronner. Divona ist die erste multiresistente weisse Rebsorte von Agroscope. Genau wie ihr grosser Bruder weist sie eine gute Resistenz gegenüber Echten und Falschen Mehltau sowie gegenüber Graufäule auf.

Trotz all dieser Gemeinsamkeiten zwischen Divico und Divona sehen die Weine - offensichtlich - optisch anders aus und verfügen über unterschiedliche Geschmacks- und Aromaprofile. Während Divico-Weine mit einem Bouquet aus schwarzen Früchten und würzigen Noten sowie seidigen Tanninen bestechen, werden Divona-Weine bei Degustationen mit einem Mix aus exotischen (Zitrus-)Früchten und floralen und mineralischen Noten beschrieben. Die Gründe für diese fundamentalen Unterschiede liegen gemäss meiner Recherche in den verschiedenen Herstellungsverfahren für Rot- und Weissweine.

Wie aus roten Trauben Rotwein und aus weissen Trauben Weisswein wird

Traubensaft hat grundsätzlich eine klare, helle Farbe, unabhängig davon ob er aus roten oder weissen Trauben erzeugt wurde. Wie kommt dann der Rotwein zu seiner dunklen Farbe? Die Antwort: Durch die Maischegärung.

Bei der Maischegärung werden die roten Trauben nur teilweise von den Stielen befreit. Danach werden sie mitsamt den restlichen Stielen, Kernen und Schalen gepresst. Während dem Gärungsprozess lösen sich die Phenole (natürliche Pflanzeninhaltsstoffe), Tannine und Farbstoffe, die sich in den Traubenschalen befinden. Dadurch erhalten Rotweine ihre charakteristischen Aromen und die rote Farbe.

Weissweine hingegen werden durch eine Mostgärung hergestellt. Dabei ist wichtig, dass die Trauben zeitnah nach dem Wimmen, also der Ernte gepresst werden. Hierbei werden die Trauben vorgängig von den Stielen befreit, die für Weissweine unerwünschte Gerbstoffe enthalten. Nach dem Pressen werden zusätzlich die Schalen und Kerne aus dem Saft entfernt, bevor der Gärungsprozess einsetzt.

Die zwei Gärungsprozesse erklären also die Entstehung der unterschiedlichen Geschmacksprofile und die gegensätzlichen Farben. Aber könnte man in dem Fall aus roten Trauben mit einer Art Mostgärung nicht auch einen Weisswein herstellen? Die kurze Antwort: Ja.


Kurzer Einschub für kleine Besserwisser, wie mich:

Rosé-Weine sind keine Mischung aus Rot- und Weissweinen, sondern entstehen durch eine verkürzte Maischegärung. Dabei werden die färbenden roten Traubenschalen nach einer gewissen Zeit aus der Maische entfernt, wodurch der Färbungsprozess beendet wird. Mischt man hingegen Rot- und Weisswein zusammen, bekommt man übrigens einen Rotling - zumindest, wenn das fachkundig erfolgt.


„Blanc de Noir" - Wenn aus roten Trauben Weisswein entsteht

"Blanc de Noir" zu Deutsch „weiss aus schwarz" werden Weine bezeichnet, die ähnlich wie Weissweine hergestellt werden, einfach mit roten Weintrauben. Je nachdem, wie lange die färbenden Traubenschalen im Saft liegen bleiben, wie stark ihre Färbkraft ist und je nach Pressvorgang, bekommt der Wein einen mehr oder weniger intensiven Rotstich. Die Farben reichen von rotgolden bis leicht altrosa.

Die Weine werden auch gerne zu Champagner Cuvée (Mischung verschiedener Grundweine) weiterverarbeitet. Geschmacklich sind Blanc de Noirs eine Kombination aus Rot- und Weissweinen, sprich sie sind leicht fruchtig und haben einen etwas volleren Körper, als Weissweine, die aus weissen Trauben erzeugt werden. Im Gegensatz zu Rosé-Weinen, werden Blanc de Noirs analog Weissweine hergestellt und der Kontakt mit den färbenden Traubenschalen ist deutlich kürzer.

Könnte man nun aus Divico-Trauben nicht einen Blanc de Noir herstellen und auf Divona-Reben verzichten? Meine Recherche hat ergeben: Ja und Nein.

Wieso Divona neben Divico ihre eigenständige Existenzberechtigung hat

Ja, theoretisch könnte aus den Divico-Trauben ein Blanc de Noir hergestellt werden. Allerdings wurde die Traubencharakteristik spezifisch für Rotwein optimiert (Tannine, Farbstoffe, Aromaprofil). Zudem müssen die Trauben für die Herstellung von Blanc de Noir sehr schnell und vorsichtig gepresst werden, um eine Farbextraktion möglichst zu vermeiden.

Hingegen wurde das Aromaprofil von Divona spezifisch für die Herstellung von Weisswein entwickelt. Sie weist eine angepasste Säurestruktur und Zuckergehalt für die Weissweinherstellung auf und die Beeren haben einen geringen Tannin- und Farbstoffgehalt.

Wie aus dem Biologieunterricht und dem alltäglichen Leben wohl bekannt ist, werden die Gene der Eltern bei der Fortpflanzung zufällig neu kombiniert. Das heisst, jedes Nachkommen erhält eine einzigartige Mischung aus den elterlichen Genen. Was erklärt, wieso es Geschwister mit den gleichen biologischen Eltern gibt, die sich sehr ähnlich sind und solche, die unterschiedlicher nicht sein könnten; sei es optisch und/oder charakterlich.

Bei der Züchtung neuer Rebsorten kommt hinzu, dass die Züchter einen hoch spezifizierten Selektionsprozess anwenden, um die optimale Weinsorte für jede Bedingung und jeden Geschmack zu finden. Dies erklärt auch, wieso Agroscope 20 Jahre Forschungsarbeit in die Entwicklung der Divona-Rebsorte gesteckt hat.

Exklusive Divona-Patenschaft

Traubenbrand aus unseren ersten Divona-Trauben.

Jetzt weisst du, wieso wir neben Divico auch Divona Rebstöcke gepflanzt haben, trotz oder genau aufgrund ihrer engen Verwandtschaft. Der Anbau robuster Rebsorten nimmt in der Schweiz, insbesondere in der Deutschschweiz, stetig zu, allerdings befindet sich der prozentuale Anteil an der gesamten Weinbaufläche immer noch im unteren einstelligen Bereich.

Da Divona zusätzlich eine sehr junge Rebsorte ist, sind diese Weine äusserst rar. Wenn du auf der Suche nach einem exklusiven Geschenk für dich selbst oder einen lieben weinbegeisterten Menschen bist, dann empfehlen wir dir unsere Angebote für Divona Rebstock-Patenschaften, flexibel für ein oder fünf Jahre. Die Anzahl Divona-Rebstockpatenschaften sind auf 60 Stück begrenzt.

Jetzt Patin / Pate werden

Als Pate/Patin eines Divona-Rebstocks sicherst du dir nicht nur Zugang zu einem der seltensten Schweizer Weine, sondern wirst Teil unserer nachhaltigen Weinbau-Geschichte.

Übrigens, der Begriff „Divona" leitet sich vom gallischen Wort „deuos" ab und bedeutet „göttlich". Ein göttlicher Wein, der dank seiner Seltenheit und Qualität tatsächlich etwas Besonderes auf deinem Tisch sein wird. Wenn das nicht vielversprechend klingt :-)

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Ein Blick hinter die Drechselbank mit Peter Freitag